Am 24. Mai 2026 ist Professor Dr. Antony Peter Mueller sehr unerwartet und zu unserem großen Bedauern im Kreise seiner Familie in Brasilien verstorben. Wir verlieren einen unermüdlichen Mitstreiter für die freiheitlichen Ideen und einen herausragenden Menschen, der für viele zu einem hoch geschätzten und unverzichtbaren Freund geworden ist. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl und aufrichtiges Beileid.
Antony P. Mueller wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1948 in Oberfranken als Anton Peter Müller geboren. Als er international tätig wurde, internationalisierte er, ohne seine Wurzeln zu vergessen, auch seinen Namen. Sehr zur Freude der zahlreichen Podcast-Hörer des deutschsprachigen Publikums blieb der sympathische fränkische Akzent erhalten. Der vielseitig interessierte und hochgebildete Wirtschaftswissenschaftler bereiste sehr viele Länder. Er war ein Intellektueller im höchsten Sinne dieser Definition. Ein freier Denker und kein Brotgelehrter.
Den Grundstein seiner akademischen Ausbildung legte Antony P. Mueller an der Universität Erlangen-Nürnberg. Übrigens an jenem Institut, an dessen Vorläufer Ludwig Erhard ebenfalls studierte. Antony berichtete mir einmal, dass die Protagonisten der Österreichischen Schule zu jener Zeit noch deutlich präsenter im staatlichen Bildungsapparat gewesen seien als dies heute der Fall ist. Seinerzeit diskutierte man gemäß seiner Erzählungen noch wesentlich kontroverser über die verschiedenen ökonomischen Strömungen. Allerdings machte Antony in Gesprächen keinen Hehl daraus, dass die mathematisch/empirisch ökonomischen Stoßrichtungen schon damals dominant waren.
Mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger und maßgeblichen Entwickler der Public-Choice-Theorie James M. Buchanan arbeitete Antony P. Mueller zu Beginn seiner akademischen Laufbahn im Jahre 1978 am Center for the Study of Public Choice eng zusammen. Nach seiner Habilitation leitete Antony P. Mueller von 1994 bis 1998 das Institut für Staats- und Versicherungswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Unter anderem im Rahmen seiner Gastprofessur an der UFM (Universidad Francisco Marroquin) in Guatemala lebte er seine durchaus ausgeprägte Ader als Abenteurer aus. Er war Fulbright Scholar und Associate Professor in den USA.
Zur Jahrtausendwende siedelte Antony im Rahmen das DAA-Austauschprogramms als Gastprofessor an der Bundesuniversität von Sergipe (UFS) nach Brasilien um. Später erhielt er von dort einen Ruf als Ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre. Nach seiner Emeritierung im Jahre 2023 lehrte Antony an der Mises-Academy. Auch an der Gründung und dem Aufbau des sehr erfolgreichen brasilianischen Mises Instituts war er an führender Stelle beteiligt. Antony war seit vielen Jahren eng mit dem Mises-Institute in den USA verbunden. Zudem war er wissenschaftlicher Beirat des Ludwig von Mises Institut Deutschland.



Antony hatte viele Projekte auf seiner Agenda, setzte sich Ziele für die Zukunft. Er war beispielsweise zentral involviert in die Entwicklung einer internationalen Online-Akademie zur Vermittlung der Ideen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Darüber hinaus plante er Reisen mit seinem Sohn nach Argentinien und Uruguay. Antony wollte persönlich erfahren und entdecken, wie es um die freiheitlichen Entwicklungen in Argentinien steht. Mit einem sehr guten Freund, der ihn auch in Aracaju (Brasilien) zu besuchen plante, wollte er Polen und das Baltikum bereisen. Auch wollte er wieder nach Deutschland zurückkehren, um seine Freunde aufzusuchen und die freiheitliche Community mit seinen bereichernden Vorträgen zu beglücken. Erst im Jahre 2025 fuhr Antony in Deutschland von Ort zu Ort. Er hielt unzählige Vorträge bei den regionalen Hayek-Clubs oder Atlas-Sektionen. Egal ob in Weimar, Münster, Berlin, Köln oder Bonn, um nur einige Orte seiner Tour 2025 zu nennen. Nach den Vorträgen verschwand er nicht Hals über Kopf. Er beantwortete geduldig alle Fragen und saß teilweise bis tief in die Nacht mit den Menschen zusammen. Antony war ein überaus geselliger Mensch. Überall empfingen ihn die Menschen mit offenen Armen. Leider wurde es seine Abschiedstournee in seinem Heimatland.
Besonders junge Menschen waren fasziniert von seinem tiefen Wissen und seiner offenen wertschätzenden und humorvollen Art. Im Interview mit unseren freiheitlichen Freunden von „Hochkultur“ beim AfueraFest 2025 gab er den jungen Menschen den vermeintlich trivialen Tipp „einfach mal nachzudenken und einfach mal zu hinterfragen“ anstatt das zu glauben, was von offizieller Seite vorgebetet wird. Frei nach Immanuel Kant war auch Antony der Auffassung, dass jeder Mensch sich nur selbst aufklären kann, wenn er selbst die Notwendigkeit erkennt, dass seine bisherigen Gedankenkonzepte mit der Realität nicht in Einklang zu bringen sind.
Antony war im positiven Sinne ein Menschenmagnet. Allerdings niemals mit dem Antrieb, selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen. Ihm ging es in seiner bescheidenen Art nicht um sich und sein Ego. Antony nahm sich selbst nicht so wichtig. Er stellte sich in den Dienst der freiheitlichen Sache und war aufrichtig an jedem einzelnen Menschen interessiert.
Für mich war er eine wandelnde Bibliothek. Allerdings holte er das Wissen nicht aufdringlich und ungefragt aus seinem Wissensregal. Das war nicht seine Art. Antony ließ nur punktuell und im Kontext der aktuellen Gesprächssituation sein Wissen aufblitzen. Er war ein guter Zuhörer, ein wichtiger Ratgeber und stellte viele kluge Fragen. Der Austausch reduzierte sich nicht auf die fachlich/wissenschaftliche Ebene. Antony war aufrichtig interessiert an seinem Gegenüber. Wen er selbst in sein Herz geschlossen hatte, den hielt Antony per WhatsApp, E-Mail usw. mit Bildern oder Videos aus seinem privaten Leben auf dem Laufenden. Ich denke an seine Bilder als leidenschaftlicher Golfer oder an Impressionen von der Hochzeit seiner Tochter, die er jüngst noch miterleben durfte.
Antony saß auch gerne in seinem Heimatort in Brasilien in der Kneipe und schaute Fußball. „Dort kommt nahezu jeder Mensch hin und ich kann mir ein gutes Bild von dem machen, was die Menschen umtreibt“ berichtete er mir einmal.
Wenn es um die Umsetzung neuer Projekte ging, war Antony zumeist der erste der Protagonisten, der seinen Beitrag einreichte. Man konnte sich zu 100% auf ihn verlassen, und zwar nicht nur in Bezug auf die Geschwindigkeit oder die menschlichen Komponenten, sondern vor allem auch in Bezug auf die inhaltliche Qualität. So war es beispielsweise bei der Geldkonferenz und dem sich anschließenden Sammelband der Atlas Initiative oder bei der noch zu veröffentlichenden Serie zum 100. Geburtstag von Murry N. Rothbard.
Mir erzählte Antony einmal, dass er nach seiner Ankunft in Brasilien einige Jahre nicht so sehr nach Deutschland blickte. Er wollte sich seinerzeit erst einmal in Brasilien eingewöhnen. Als er den Fokus dann wieder ein wenig mehr auf sein Heimatland richtete, war er nach eigenen Angaben angesichts des Freiheitsrückbaus und der Erosion der marktwirtschaftlichen Grundstrukturen sehr erschrocken und erkannte seine Aufgabe. Er fühlte sich aus einem inneren Antrieb verantwortlich, in seinem Heimatland vermehrt Aufklärungsarbeit zu leisten. Von da an publizierte Antony eine Vielzahl von Beiträgen für die Webseite des Ludwig von Mises Institut in Deutschland.
Antony war auch ein Meister darin, die Essenz aus den Werken der alten Denker der Österreichischen Schule herauszuziehen. Andreas Tiedtke berichtete mir, dass Antony nur wenige Tage benötigte, bis er eine Rezension eines neu erschienen Buches einreichte. „Antony ist eine Maschine“ sagte Andreas Tiedtke voller Hochachtung in diesem Zusammenhang. Mir berichtete Antony, dass er diese Tätigkeiten in der Zeit seiner Pensionierung verrichtete, bevor seine Familienmitglieder die nächtliche Bettruhe beendeten. „Da habe ich meine Ruhe, kann super Nachdenken und habe meine Ziele schon früh am Tag erreicht“ erzählte er sinngemäß und voller Zufriedenheit.
Antony war ein großer Gegner der nicht freiwillig anerkannten Herrschaft. Führte diesen Punkt in seinen Schriften und vor allem in Podcast-Gesprächen regelmäßig und sehr eingängig aus. Er dachte die Dinge bis zum Ende und identifizierte die Parteienherrschaft als eines der zentralen Probleme in Deutschland. Im Oktober 2019 hielt Antony im Rahmen der Mises-Konferenz in München einen Vortrag über die „Revolution auf Samtpfoten. Wie der Marxismus seinen Herrschaftsanspruch durchsetzt“. Er sprach über die alt- und neomarxistische Strategie zur Umgestaltung von Wirtschaft und Gemeinschaft. Die Revolution kommt nicht, so wie 1917 über Nacht, sondern schleichend über viele Dekaden. Brillant brachte er das auf den Punkt, was seit vielen Jahren vor 2019 Anwendung findet und was von 2019 bis heute immer mehr auf die Spitze getrieben wird.
Die Probleme des Szientismus als Triebfeder des Zentralismus und der totalen Herrschaft brachte Antony hervorragend in seinem Werk „Technokratischer Totalitarismus“ im Jahre 2023 auf den Punkt. Zuvor erschienen in deutscher Sprache die Werke „Kapitalismus ohne Wenn und Aber – Wohlstand für alle durch radikale Marktwirtschaft“ (2018) und im Jahre 2021 sein Buch „Kapitalismus, Sozialismus und Anarchie – Chancen einer Gesellschaftsordnung jenseits von Staat und Politik“. Im Jahre 2024 veröffentlichte Antony sein Buch „Antipolitik“. Dieser Begriff wurde im deutschsprachigen Raum zum Leitmotiv vieler freiheitlicher Kräfte. Viele weitere Werke und Schriften wären erwähnenswert. Eine große Auswahl seines Wirkens bleibt der Nachwelt glücklicherweise erhalten. Sei es als gedrucktes Wort oder als Beiträge, die beispielsweise beim Ludwig von Mises Institut Deutschland online abrufbar sind.
Es ist ein Riese der Österreichischen Schule von uns gegangen. Er wird in unserem Herzen und Denken weiterleben. Antony war mehr als ein Denker oder Lehrmeister, er war ein Freund. Sein kluger Rat wird mir sehr fehlen. Wir werden ihn nicht vergessen und seine Projekte in seinem und im Sinne der freiheitlichen Sache weiterführen.
Danke für alles, danke für Dich, lieber Antony!
Benjamin Mudlack im Mai 2026
Für den Vorstand und die Mitglieder der Atlas Initiative